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Bevor Sie beginnen...
Gleich ob Sie bereits als Trainerin arbeiten, oder sich überlegen, neu in dieses Arbeitsgebiet einzusteigen: Wenn Sie Konflikttrainings anbieten möchten, empfehle ich Ihnen, sich rechtzeitig und ausführlich mit Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Vision und Ihren Werten als Mensch und Trainer zu befassen. Wenn Sie Konflikttrainings hauptsächlich deshalb verkaufen wollen, weil Sie gelesen haben, dass dieses Thema eines der Top-Themen des Weiterbildungmarkts ist und Sie nun neben Ihrem Standardrepertoir auch noch ein Konflikttraining anbieten wollen – dann prophezeie ich Ihnen schwierige Zeiten im Training. Seminarteilnehmer im Allgemeinen und in Konflikttrainings im Besonderen sind sehr sensibel für Inkongruenz und mangelnde Authentizität des Trainers. Wenn das was Sie im Training erzählen und das, was Sie sind und tun in erheblichem Maße auseinander klaffen, sind Sie inkongruent. Wenn Sie sich im Training nicht in hohem Ausmaß Ihrer eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnissen bewusst sind, sind Sie nicht authentisch. In beiden Fällen wäre es besser, Sie beschäftigen sich zuerst mit den Aspekten von Kongruenz und Authentizität, also Ihrer Persönlichkeit, bevor Sie daran denken, Konflikttrainings zu geben.
Was sind Ihre Werte als TrainerIn?
Können Sie mit den Begriffen Vision / Lebensziel / Lebenssinn überhaupt etwas anfangen? Welcher Meinung neigen Sie zu: Dass das menschliche Leben ein reines Zufallsprodukt, quasi eine „Laune der Natur“ ist, oder dass es einen inhärenten, verborgenen, mysteriösen Sinn dahinter, einen Pfad des Lebens gibt, auf dem wir und die Welt wandeln? Macht das Leben Sinn, oder ist doch alles sinn- oder gar wertlos?
Wenn Sie aus tiefstem Herzen der festen Meinung sind, dass Leben an sich sei sinnlos, schon jede Diskussion über menschliche Vision oder gar humane Werte sei überflüssig, weil ohne jede „vernünftige“ Grundlage – dann empfehle ich ganz ehrlich: Suchen Sie sich einen spaßigen Job, um Geld zu verdienen und lassen Sie die Finger von Persönlichkeitstrainings. Sie tun sich und den Teilnehmern keinen Gefallen, wenn Sie mit einer „sinnlosen“ Weltsicht versuchen, den Sinn von gewaltfreier Konfliktlösung, verbindender Kommunikation und einem menschlichem Miteinander zu vermitteln.
Als Trainer vermitteln Sie explizit oder implizit bestimmte Werte. Wenn ich nicht die Werturteile hätte, dass alle Menschen gleichwertig sind, die gleichen Bedürfnisse haben, es keine per se „bösen Menschen“ gibt – dann könnte ich den Teilnehmern den Sinn dieser Werte nicht vermitteln, und ihnen auch keine Wege zeigen, diese Werte zu leben – das ganze Training wäre also schlicht sinnlos.
Ihre Vision und innersten Werte sind eng miteinander verknüpft. Die Wertvorstellungen sind die Basis, die Pfeiler Ihrer Vision. Ihre Vision baut darauf auf, sie ist das Bild von einem guten, lebenswerten Leben – das Haus, das auf den Pfeilern Ihrer Werte ruht. Beschäftigen wir uns daher zuerst mit Ihren Werten in Bezug auf das menschliche Dasein und Zusammenleben und -arbeiten.
Schreiben Sie Ihre spontanen Gedanken zu folgenden Fragen auf:
- Beschreiben Sie Ihr Menschenbild? Was denken Sie über die Ziele menschlicher Handlungen, ihre Träume, Entwicklung?
- Aus welcher Motivation heraus handeln Menschen - was glauben Sie WIRKLICH dazu?
- Aus welchen Motiven handeln Menschen, die anderen schaden (absichtlich!) oder sie verletzen?
- Was sollte mit Menschen passieren, die anderen schaden? Was denken Sie über Bestrafung?
- Wie kann man Menschen am besten motivieren?
Um als Trainer für Konfliktarbeit sinnvoll arbeiten zu können, sind folgende Wertvorstellungen unverzichtbar:
- Gleichwertigkeit aller Menschen.
- Gewaltfreiheit, d.h. physische oder psychische Gewalt wird nur zum Schutz, nicht als Bestrafung akzeptiert.
Unverzichtbar bedeutet nicht, dass Sie diese Werte auf einem Schild vor sich hertragen, sondern dass sie als grundlegende Entscheidungskriterien in schwierigen Situationen dienen. Ihre Werte sind an Ihren Handlungen zu erkennen!
Für welche Vision brennen Sie?
Wie sieht nun Ihr größeres Bild, Ihre Vision des Trainerdaseins aus, in dem Sie diese Werte vermitteln möchten? Zu was möchten Sie beitragen? Wie sieht Ihr Bild vom „größeren Ganzen“ aus, in dem Sie ein sinnvoller Teil sind.
Nehmen Sie sich genug Zeit, um sich in Kontakt zu bringen mit Ihrer persönlichen Vision. Wenn Sie gerade anfangen als TrainerIn zu arbeiten, mindestens einen ganzen Tag pro Woche, besser noch mehrere Tage am Stück. Orientieren Sie sich dabei nur bedingt an „Vorbildern“ - es geht um Ihr Leben. Vermeiden Sie in dieser Zeit den Kontakt mit Menschen, die Sie durch „wohlgemeinte Kritik“ auf den „Boden der Tatsachen“ holen wollen. Nur weil andere nicht genug Mut haben, um das zu tun, was ihnen Spaß macht, muss das nicht auch für Sie gelten. Beschäftigen Sie sich lieber mit den Lebensläufen von Menschen, die Ihrer Vision treu geblieben sind. Was Sie in dieser Phase vor allem brauchen, sind Mutmacher und Vorbilder.
Um zu „sich zu kommen“ hilft es oft, den Kontakt zur Natur zu suchen. Auch wenn Sie kein Freund der frischen Luft sind – setzen Sie sich dem Kontakt mit den natürlichen Elementen aus. Ihr Körper ist eng verbunden mit der physischen Natur. Einen Nachmittag im warmen Gras zu liegen, im Ohr nur den Gesang der Grillen und den Geist mit den Wolken über Ihnen ziehen zu lassen – das kann Sie Ihrer Vision näher bringen als zwei Dutzend Bücher.
Diese Fragen bringen Sie in Kontakt mit Ihrer Vision:
- Wovon träumen Sie auf dieser / für diese Welt?
- Wenn alles möglich wäre - was würden Sie am liebsten tun?
- Gewaltfreiheit, d.h. physische oder psychische Gewalt wird nur zum Schutz, nicht als Bestrafung akzeptiert.
- Wenn Sie eine Film über Ihr Leben drehen wollten, was würde darin vorkommen?
- Wenn Sie sich vorstellen, Sie sind Gastredner Ihrer EIGNEN Beerdigung. Auf welches Leben möchten Sie zurückblicken? Was möchten Sie erreicht haben? Was möchten Sie, dass Ihre Mitmenschen über Sie erzählen? Was ist Ihnen wirklich wichtig?