Trägt Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft bei?
Ein Beitrag zum Blog-Karneval Mediation von Kirstin Nickelsen.
Als Mediator möchte ich, wie sicher viele meiner KollegInnen auch, etwas zu einer positiven Veränderung in dieser Welt beitragen. Daher beschäftigt mich seit vielen Jahren die Frage, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft beiträgt?
Im Laufe der Zeit und nach vielen positiven, aber auch einigen ernüchternden Erfahrungen hat sich meine Antwort auf diese Frage von einem begeisterten „Ja!“ zu einem vorsichtigeren „Manchmal!“ gewandelt. Etwas provokativer (und beunruhigender) könnte ich mich auch fragen: Wann macht meine Arbeit als Mediator eigentlich Sinn?
Sozialer Wandel: Vom Dominanz- zum Partnerschafts-Paradigma
Grundsätzlich, ohne hier ins Detail zu gehen, meine ich mit sozialem Wandel den Übergang von einem dominanzorientierten zu einem partnerschaftlichen Umgang -in Familien, Schulen, Organisationen, Unternehmen, in der Gesellschaft als Ganzes.
Dominanzsysteme zeichnen sich aus durch „Macht-über-Menschen“, sie betonen Pflicht, motivieren mit Strafe und Belohnung, zeichnen sich durch Macht-Hierarchien, Status und Konformität aus; Partnerschaftssysteme dagegen sind durch „Macht-mit-Menschen“ gekennzeichnet, sie betonen Kommunikation, funktionelle Hierarchien, motivieren durch intrinsische Motive, betonen Authentizität und Individualität. Bahnbrechend sind hier sind die Arbeiten von Riane Eisler, Alfie Kohn, David Korten, Marshall Rosenberg u.a. Diese kleine Übersicht zeigt, ohne annähernd vollständig zu sein, einige Unterschiede von partnerschaftlich versus dominanzorientierten Systemen.
Die Frage ist also, inwieweit Mediation zur Weiterentwicklung und Veränderung dominanzorientierter Strukturen beiträgt?
Translative und transformative Mediation
Der Philosoph Ken Wilber hat darauf aufmerksam gemacht, dass man bei der Frage nach Entwicklung und Veränderung von Strukturen einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Transformation und Translation machen muss.
Transformation meint den substantiellen Übergang von einer Entwicklungsstufe zur nächsten (also z.B. vom Dominanz- zum Partnerschaftsparadigma). Translation dagegen meint eine anpassende Veränderung auf der jeweiligen Entwicklungsstufe, um mit den Gegebenheiten besser zurecht zu kommen. Während Transformation eher herausfordert, in Frage stellt und zu Wachstum führt, beruhigt Translation, läßt die Beteiligten sich wieder besser fühlen und funktionieren.
Mediation kann zur Transformation beizutragen
Das Win-Win-Paradigma der Mediation kann durch den Machtausgleich zwischen den Konfliktbeteiligten durchaus zu einem wachsenden, partnerschaftlichem Bewußtsein beitragen. Die Mediation hebt die dominanzorientierte Machthierarchie zeitweise auf (nicht aber die funktionale, partnerschaftliche Hierarchie). Ein Vorgesetzter bleibt auch in einer Mediation funktional verantwortlich, gleichzeitig kann er sich in der Argumentation nicht auf Status, Privilegien oder Einschüchterung zurückziehen. Durch eine erfolgreiche Mediation können dominanzbetonte Führungskräfte erleben, dass Effektivität und Menschlichkeit kein Widerspruch sein muss.
Mediation in der Praxis wirkt meist translativ
Allerdings ist die Gefahr groß, dass Mediation in den meisten Fällen eher der Translation als der Transformation dient – dem besseren Funktionieren der Struktur bzw. Organisation ohne das grundlegenden Dominanz-Denken zu verändern. Konflikte werden gelöst, ohne die konfliktfördernden Ursachen zu benennen, geschweige denn zu beseitigen. Dies ist ungefähr so, um ein Bild zu nutzen, wie wenn man von der überkochenden Milch immer wieder den Schaum abschöpft, ohne jemals daran zu denken, die Heizplatte kleiner zu drehen.
Transformative Mediation hieße, Auftraggebern und Konfliktparteien (vor, nach und während einer Mediation) behutsam aber hartnäckig bewußt zu machen, dass sie in einem Dominanzsystem arbeiten und viele Konflikt systembedingte Symptome sind, die immer wieder auftreten werden, solange nicht die grundlegenden Entscheidungs- und Funktionsstrukturen angepasst werden.
Wann Transformation, wann Translation?
Es ist für Klienten eine frustrierende Erfahrung, dass auch nach einer erfolgreichen Mediation die gleichen Spannungen und Konfliktthemen wieder auftauchen. Ein typisches und häufiges Beispiel in Organisationen ist Mobbing, dass, wenn grundlegende Führungs- und Organisationsdefizite nicht beseitigt werden, auch nach einer erfolgreichen Mediation regelmäßig wieder auftreten wird. Dies ist ein typisches Sypmtome dafür, dass die Mediation nur translativ wirkte und die notwendige Transformation des Systems noch aussteht.
Translation hat ihre Berechtigung – ich möchte nicht so verstanden werden, dass ich translative Mediation für überflüssig oder gar schlecht halte. Sie dient dem psychischen und seelischen Wohlbefinden der Beteiligten und ist daher absolut notwendig und hilfreich. Es ist jedoch genauso notwendig, dass Mediator- und KonflikttrainerInnen sich des grundsätzlichen Unterschieds zwischen transformativen und translativen Veränderungen bewußt sind, um ihren Klienten die angemessene Unterstützung anbieten zu können.
Sonst besteht die Gefahr, dass durch eine Mediation oder andere Beratungsansätze mit translativer Wirkung die ungesunden, konflikt- und gewaltfördernden Strukturen in Familien, Organisation und Unternehmen erhalten bleiben – zum Nachteil aller Beteiligten.
Markus Sikor
MehrErfolgreiches Online-Netzwerken für Trainer- und MediatorInnen
Die Möglichkeiten zum Netzwerken per Internet sind fantastisch. Das sog. Web 2.0 baut auf Interaktivität, gegenseitige Empfehlung und Austausch. Netzwerken übers Internet funktioniert, wenn Sie Freude am Geben haben. Also …
- Seien Sie nützlich. Geben Sie Informationen großzügig weiter, vermitteln Sie Kontakte, empfehlen Sie Kollegen weiter etc.
- Regen Sie Diskussionen an. Seien Sie ruhig kontrovers, aber bleiben sie wertschätzend.
- Sparen Sie sich Eigenwerbung. In den Gruppen gibt es oft Foren für Seminarangebote, da kann man ungehemmt Werbung machen, ansonsten gilt: Niemand möchte auch noch in den Diskussionsforen von Werbung verfolgt werden.
Die Gefahr der Verzettelung ist allerdings groß. Es gibt mehrere Dutzend Online-Netzwerke, manche speziell für Trainer- oder für MediatorInnen. Schon in allen das eigene Profil anzulegen, kann sie mehrere Arbeitstage kosten, von einer kontinuierlichen Beteiligung und Netzwerkpflege ganz abgesehen.
Einige der klassischen „Trainer-Kataloge“ sind doch eher Web 1.0 – es gibt kaum Interaktivität und Austausch, sie dienen mehr der Selbstpräsentation, wie z.B. Berater, Trainer, Dozentenbörse, Brainguide. Online-Netzwerke wie z.B. Xing, Superlearn, Facebook, LinkedIn oder Myspace sind da doch interaktiver angelegt.
Für ernsthaftes Netzwerken im deutschsprachigen Kontext habe ich in den letzten Monaten mit Xing, dass mit über 4 Millionen Mitgliedern aufweisen kann, ermutigende Erfahrungen gemacht. In den Diskussionsgruppen kann man wirklich hilfreiche Tipps und Kontakte aufschnappen, der Austausch und die Kontaktaufnahme wird leicht gemacht, und Xing hat, im Gegensatz zu bspw. Myspace und Co., doch erheblich mehr „professionellen“ Touch und Funktionalität.
Besuchen Sie doch mal unsere Profile bei Xing:
Markus Sikor![]()
Marianne Sikor![]()
Und wenn Sie regelmäßige/r Blog-LeserIn sind, haben Sie vielleicht Lust, auch unserem Xing-Netzwerk beizutreten – schicken Sie uns doch einfach eine Kontaktanfrage!
MehrSusan Skye über "Intrinsic and Extrinsic Needs"
Auf der Website der NVC-Academy kann man für kurze Zeit einen klasse Vortrag der Trainerin Susan Skye zum Unterschied von „extrinsischen“ und „intrinsischen“ Bedürfnissen anhören (Englisch).
Nonviolent Communication: Learn NVC online at the NVC Academy
MehrZeichen setzen! Break the Burmese Blackout
Es könnte einem das Herz zerreißen mit anzusehen, wie Menschen erschossen und tot getrampelt werden, nur weil sie ihrer Sehnsucht nach vernünftigen Lebensbedingungen, Redefreiheit und Demokratie Ausdruck verleihen.
Ich gebe zu, es fällt mir manchmal schwer, mich mit den Ängsten hinter den brutalen Übergriffen der Miltärdiktatur zu verbinden…
Die Junta in Burma versucht nun durch eine totale Informationssperre die Kontrolle zu behalten. Die Organisation Avaaz möchte die technischen Mittel beschaffen, um den Informationsfluss nach und aus Burma aufrecht erhalten (z.B. Internetzugang, Telefon etc.)
Auch wenn es weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein sein mag. Ich möchte für die Unterstützung dieser Aktion werben.
Avaaz hat fast 20.000 Euro gesammelt, das Ziel sind 100.000 Euro. Jeder der 750.000 Unterstützer dieser Avaaz-Aktion braucht also nicht mal 1,- Euro zu spenden. Wir haben gerade 20,- Euro überwiesen – macht mit!
Dies ist für mich auch ein Symbol, dass die weltweit vernetzte Community ein Augenmerk aufeinander hat und nicht mehr akzeptiert, dass die Bedürfnisse anderer derart mit Füßen getreten werden.
MehrLacrima München – Zentrum für trauernde Kinder
Susanne Strasser, Mediatorin und Coach in München, hat mich auf das Projekt „Lacrima – Zentrum für trauernde Kinder“ aufmerksam gemacht, in dem sie sich ehrenamtlich engagiert.
Lacrima kümmert sich um Kinder, die eine schwierige Zeit und Verlust durchmachen und bietet Eltern und Kindern Unterstützung in der Trauer an. Da Trauern für eine gesunde Verarbeitung von Verlusten extrem wichtig ist, aber gleichzeitig dieses Thema immer noch mit viel Unwissen und Tabus behaftet ist, freue ich mich sehr über derartige Initiativen.
Danke für die Information, Susanne, und viel Erfolg!
MehrVortrag von SEKEM-Gründer und alt. Nobelpreisträger Dr. Ibrahim Abouleish in München
Im Rahmen der „Unternehmer live erleben“ Veranstaltung an der Hochschule München konnte der Social Entrepreneur Dr. Ibrahim Abouleish für einen Vortrag gewonnen werden. Der Gründer des erfolgreichen Öko- und Sozialprojekts Sekem in Ägypten spricht am 7. November 07 über seine Arbeit.
Weitere Infos gibt´s hier.
Vielen Dank für diesen Tipp an Mirko Frank aus der Xing-Gruppe Social Entrepreneurship.
MehrHilfe für Vielschreiber und Langsamtipper… Phrase Express
Dieses Tool sollte müßte man sofort erfinden, wenn es es nicht schon gäbe ;o)
PhraseExpress kann in jeder Office-Anwendung Texte auf Klick bzw. per Abkürzung einsetzen. Aus Word kennt man das „mfg“ (Mit freundlichen Grüßen) aber PhraseExpress kann viel mehr. Es lassen sich komplette Texte mit Datums- und Namenseingabe etc. erstellen z.B. zur bei Seminaranmeldungen, Informationsanfragen, Kontaktantworten (z.B. bei Xing).
Kostenfreie Variante für Privatanwender – wer es beruflich nutzt möge doch bitte die paar Euro löhnen, die Programmierer wollen ja auch leben, oder?
MehrWeltweite Blogaktion Free Burma

Wir möchten diese Aktion in einem Bewußtsein des Leids auf beiden Seiten unterstützen.
Es ist zu einfach, angesichts der menschlichen Tragödie in Burma in ein „Täter / Opfer-“ oder „Unterdrücker / Unterdrückte“ Denken zu verfallen. Wir sind überzeugt, dass in oppressiven Gesellschaften wie bspw. in Burma alle Beteiligten auf unterschiedlichen Ebenen leiden.
Unser tiefes Mitgefühl gilt daher dem Leid aller Menschen in Burma – den Familien, die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen und ihre Kinder ernähren sollen; den Intellektuellen, die sich nach Demokratie und Meinungsfreiheit sehnen; den Soldaten, die auf Befehl Mönche und Demonstranten erschießen; den Generälen, die diese Befehle ausgeben.
Traumtisierte Menschen in Machtpositionen regieren Gewalt und verursachen so weiteres Trauma. Ein Teufelskreis, den die Menschheit erst langsam in aller Konsequenz zu verstehen beginnt. Da dieses Verständnis die Grundlage für einen gewaltfreien sozialen Wandel ist, möchten wir in diesem Zusammenhang nochmals auf das hervorragende Buch „Power Under – Trauma and Nonviolent Social Change“ von Steven Wineman verweisen. Eine deutsche Übersetzung ist von Karin Schnurpfeil in Arbeit.
Falls Sie das Buch kostenlos von der Website herunterladen, denken Sie doch daran, Steven Wineman eine Spende von ca. 10 US-Dollar zukommen zu lassen für seine Arbeit. Er hat bis jetzt keinen Verlag für sein Buch gefunden.
MehrWeltweite Blog Aktion "Free Burma"
Cem Basman aus der Xing-Gruppe „Business Weblogs“ hat mich auf diese Aktion aufmerksam gemacht.
„Blogger aus aller Welt bereiten einen Aktionstag zur Unterstützung der friedlichen Revolution in Burma vor. Wir wollen ein Zeichen für den Frieden setzen und den Menschen, die ihr grausames Regime ohne Waffen bekämpfen, unsere Sympathie bekunden. Diese Blogger haben vor, am 4. Oktober 2007 ihre normalen Blog-Aktivitäten einzustellen, um nur einen einzigen Artikel zu veröffentlichen: Ein rotes Banner mit dem Text „Free Burma!“.“ (Homepage von „Free Burma“)
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