Integrale Theorie

Ist die Gewaltfreie Kommunikation systemisch?

Menschen Diese Frage wurde mir ein paar Mal gestellt, hauptsächlich von Interessenten an einer Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation. Auf meine Nachfrage, was sie denn unter “systemisch” verstünden, stellte sich dann oft heraus, dass ihnen unklar ist, was der Begriff meint bzw. dass ihre und meinen Definition von “systemisch” nicht so ganz übereinstimmen.

Mir scheint der Begriff “Systemisch” ist auf dem Beratungs- und Ausbildungsmarkt seit ein paar Jahren “in”. Aus einer normalen Mediationsausbildung wird dann eine “systemische Ausbildung in Mediation”, um sich von anderen Angeboten abzuheben. Ob das inhaltlich immer gegeben und sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln…

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Mitgefühl als verbindende Kraft – THE CHARTER FOR COMPASSION

Die Charter for Compassion entstand auf Initiative der TED-Preisgewinnerin und renommierten Religionswisssenschaftlerin Karen Armstrong.

Hier die Preis-Rede von Karen Armstrong bei TED über die zentrale Rolle von Mitgefühl in allen Weltreligionen.

 

Eine wesentliche Basis für das menschliche Mitgefühl ist seit einigen Jahren auch wissenschaftlich nachgewiesen, die sog. Spiegelneuronen. Der Freiburger Professors Joachim Bauer weist in seinen Büchern auf die zentrale Rolle von Beziehungen für die Ausbildung von Mitgefühl (Empathie) hin (“Warum ich fühle was du fühlst?” und “Das Gedächtnis des Körpers”).

Aber die organische Basis der Spiegelneuronen reicht nicht aus, um Mitgefühl zu einer alle Menschen verbindenden Kraft zu machen. Ohne eine bewusste spirituelle Ausrichtung bleibt das “Mitgefühl” meiner Spiegelneuronen auf meine direkte Umwelt beschränkt, da ich nur diese durch meine Sinnesorgane vermittelt bekomme.

Die zentrale Rolle der Religionen besteht laut Karen Amrstrong darin, das menschliche Mitgefühl auszudehnen auf alle Menschen – eben nicht nur "Liebe deinen Nächsten”, sondern “Liebe deine Feinde”, was bspw. die zentrale Aussage der Bergpredigt ist.

Anders gesagt, in der Sprache der integralen Theorie, es geht darum, das menschliche Mitgefühl auszudehnen vom “egozentrischen Mitgefühl” (Ich), über das “ethnozentrische Mitgefühl” (Mitgefühl mit Menschen meiner Herkunft, Kultur, Glauben etc.) hin zum universalen Mitgefühl (Mitgefühl mit allen Menschen, siehe dazu auch “Wie ein integrales Konfliktverständnis zu Frieden und Verständigung beitragen kann – Teil II”.)

Ich denke, dass wir Menschen eine tiefe, intuitive Verbindung zu Menschen spüren. Wir fühlen uns wirklich “Eins mit allen Wesen” – solange wir nicht darüber nachdenken. Sobald ich anfange, mich oder andere Menschen zu bewerten, trenne ich diese Verbindung. Mir passiert das andauernd und die gewaltfreie Kommunikation ist für mich eine ständige spirituelle Übung, um diese Verbindung wieder herzustellen.

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Mitgefühl ist Eigennutz

“Mitgefühl ist Eigennutz”, so der Titel des spannenden Interviews, das der Wissenschaftsjournalist Stefan Klein mit dem Neurophysiologen Vittorio Gallese, dem Entdecker der Spiegelneuronen, führte. “Sag ich doch”, dachte ich mir sofort – denn in den Seminaren zur Gewaltfreien Kommunikation betone ich oft, dass wir „alles was wir tun, nur für uns selbst, für die Erfüllung unserer eigenen Bedürfnisse tun” – eben auch einem Menschen empathisch zuhören oder mitfühlend reagieren.

Der Artikel betont auch, dass es einen Unterschied von Empathie (Einfühlung) und Mitgefühl (Mitleid) gibt:

Tatsächlich können Sie Empathie und Mitgefühl völlig voneinander entkoppeln. Denken Sie nur an einen Sadisten, der Lust erlebt, gerade weil er sich in das Leid seines Opfers einfühlen kann. (Vittorio Galles)

Einfühlung ist also nicht per se “gut”. Man weiß, dass Kriminelle oft ein hohes Einfühlungsvermögen haben, sie können sich perfekt in das Innenleben ihrer Opfer einfühlen – und nutzen dies dann brutal aus indem sie ihre Opfer zur Kooperation überreden (ein Buch, das ich in diesem Zusammenhang gern empfehle, auch wenn es etwas “reißerisch” ist, ist “Mut zur Angst” von Gavin de Becker.)

Mitgefühl, also das Nachempfinden von Leid als Leid und der daraus entstehende soziale Handlungsimpuls, um das Leid zu vermindern, folgt nicht zwingend aus Empathie. Warum und wieso Mitgefühl entsteht, und wie stark, ist wissenschaftlich noch ungeklärt.

Und auch hier ist es ja nicht so, dass Mitgefühl immer “gut” oder auch nur hilfreich ist – nicht auszudenken, wenn mein Zahnarzt (mit dem ich übrigens sehr zufrieden bin, daher der Link zu seiner Praxis in Kaufering bzw. Waal) mir nicht mehr helfen könnte, weil er beim Anblick meines schmerzverzerrten Gesichts selbst Zahnschmerzen bekäme? Menschen können (und müssen wahrscheinlich) lernen, ihr Mitgefühl zu steuern – natürlich auch wieder im Eigeninteresse, mein Zahnarzt möchte ja auch Geld verdienen :o )

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Amoklauf in Winnenden – vermeidbare Eskalation von Gewalt?

Der Amoklauf des jugendlichen Schülers in Winnenden hinterlässt 16 Tote, tiefe Trauer bei den Angehörigen und Fassungslosigkeit bei uns allen. Niemand kann für den Schmerz die passenden Worte des Trosts finden – wir möchten an dieser Stelle unser tiefes Mitgefühl ausdrücken.

Eine Amoklauf hinterlässt die immer gleichen Fragen:
Was bringt jemand zu einer solchen Tat?
Wie kann man eine solche Tat verhindern?
Die erste Frage ist nicht mehr zu beantworten, der Täter ist selbst zum Opfer geworden.

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Empathie-Lücke bei Führungskräften

Mit dem Phänomen der Empathie-Lücke habe ich mich in “Die Empathie-Lücke schließen” befasst. Aus eigener Erfahrung als jemand, der häufig Gruppen anleitet und führt, kann ich sagen, dass das Thema für die Entwicklung meiner Führungsfähigkeit enorm wichtig war und ist. Empathie-Lücken bei Führungskräften haben einen gravierenden Einfluss auf die Qualität der Teamarbeit, das soziale Klima und die Motivation der Mitarbeiter.

  • Eine Empathie-Lücke wird oft mit Führungsstärke verwechselt.
    Eine Empathie-Lücke hat zur Folge, dass man die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen unzureichend wahrnimmt. Dies führt zu einem “klar und entschieden” wirkendem Verhalten, dass tatsächlich jedoch schlicht egoistisch ist und auf Kosten anderer Menschen geht. Ein derartiges autokratisches Führungsverhalten ist in Gruppen und Teams, die langfristig erfolgreich zusammenarbeiten sollen fehlt am Platz.
  • Führungskräfte mit einer Empathie-Lücke scheinen oft erfolgreich
    Führungskräfte mit einer Empathie-Lücke haben wenig Bedenken und Hemmnisse, ihre eigenen Interessen auf Kosten anderer durchzusetzen. Dies ist oft schneller und effizienter ist als eine Gruppen-Entscheidung, geht allerdings auf Kosten des sozialen Klimas. Hohe Mitarbeiterfluktuation und Krankenstände, schwelende Konflikte und Mobbing sind typische Symptome für derartige Führungsweisen.
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Die Empathie-Lücke schließen – Yes you can :o)

Empathie, die Fähigkeit zum “Mitempfinden”, ist die Grundlage und der soziale Klebstoff für den Zusammenhalt der menschlichen Gemeinschaft. Mit dem Begriff “Empathie-Lücke” hat US-Präsident Barack Obama dem Thema neue Aufmerksamkeit verschafft (s. Video). Obama bezeichnet Empathie als den wichtigsten Wert einer Gesellschaft.

Was heißt Empathie-Lücke?

Empathie meint die Fähigkeit, sich innerlich “in die Schuhe eines anderen stellen zu können” und so dessen Gefühle nachempfinden zu können. Empathie-Lücke bezeichnet das Fehlen bzw. eine geringe Ausprägung dieser Fähigkeit.

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Richtig reich werden – Selbständigkeit aus integraler Sicht – Teil 3

Bisher habe ich das Thema in Teil 1 und Teil 2 aus Sicht der individuellen Perspektiven beschrieben – den beiden „oberen Quadranten“ des 4-Quadranten-Modells von Ken Wilber. Manche fragen sich vielleicht: Warum braucht es noch mehr, wenn doch „alles was ist“ entweder „innerhalb“ oder „außerhalb“ von mir stattfindet?

Gegenfrage: Zeigst du im Beisein eines Fremden, eines Freundes, deines Partners/deiner Partnerin immer das gleiche Verhalten? Denkst und fühlst du das Gleiche? Wahrscheinlich nicht. Wir sind nicht völlig unabhängig von unserer Umgebung. Die Systemtheorie lehrt uns, dass Menschen in einer Gruppe neue  Verhaltensweisen zeigen, die sich nicht allein aus den bekannten individuellen Eigenschaften erklären lassen. Wir sind soziale Wesen, wir sind auch (aber nicht nur) abhängig von und werden beeinflusst durch andere Menschen.

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Gewaltfreie Kommunikation für die Ohren – Podcast Nr. 2

Ist „Bewerten verboten in der Gewaltfreien Kommunikation“? Ist „Gleichwertigkeit“ nun ein Bedürfnis oder ein Wert? Diese Fragen beschäftigen Gerhard Rothhaupt und mich im Podcast Nr. 2.

Viel Spaß bei 30 Minuten mit der Frage „Bewerten und Gleichwertigkeit in der Gewaltfreien Kommunikation“

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Hier die der Podcast als Download in der normalen und kurzen Version. Einfach „Klick“ mit rechter Maustaste, „Ziel speichern unter…“ – für den MP3-Player oder zum Brennen.

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Richtig reich werden – Selbständigkeit aus integraler Sicht – Teil 2

(Zum ersten Mal hier? Du fragst dich, was „integral“ überhaupt heißt? Dann wirst mehr Spaß an diesem Artikel haben, wenn du Teil 1 von „Richtig reich werden“ zuerst liest.)

Für alle anderen…. was lernen wir also für unser „Richtig reich-Projekt“, wenn wir uns den Quadranten „Oben-Rechts“ der „integralen Weltkarte“ zu Gemüte führen?

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Richtig reich werden – Selbständigkeit aus integraler Sicht – Teil 1

Wem das Beiwörtchen „integral“ langsam zum Halse raushängt dem sei versichert, dass er (oder sie) hier nichts verpasst, wenn sie (oder er) diesen Artikel einfach jetzt beiseite legt. Es gibt so viele andere spannende Dinge im Leben eines „integral informierten“ Menschen, da muss man wirklich nicht seine Zeit damit verschwenden, das Gleiche in neuen Worten zu lesen.

Also, tschüss – have fun dabei dein Licht in die Welt zu bringen um uns alle zu erleuchten (das meint eine „integrale Weltsicht“ nämlich (auch).

Für alle anderen: Ich verwende das Wörtchen „integral“ ganz gerne, weil es etwas beschreibt, was ich sonst dauernd in (zu) viele Worte fassen müsste, nämlich ungefähr so:

„Eine integrale Diskussion, z.B. hier zum Thema „Selbständigkeit und Geld und so“, schließt alle Bereiche menschlichen Wissens ein, d.h. subjektive und objektive Sichtweisen, individuelle und kollektive Phänomene, grundsätzlich verschiedene „Typen“ (wie z.B. „männlich“ und „weiblich“), darüber hinaus alle vor-rationalen (magisch, mythisch), rationalen und trans-rationalen (mystisch) Weltsichten der Menschheitsgeschichte und noch ein paar Kleinigkeiten mehr, die ich auch noch nicht alle verstanden habe :o )“

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