Mediations-Newsletter Nr. 3 vom 17.3.2000
Inhalt Mediation-Newsletter Nr. 3
1*** Wie zähme ich einen Elefanten?
2*** Buch "Mut zur Angst" von Gavin de Becker
4*** Die "Mobbingwerkstatt" von Gaby Ziegler
5*** Tips für erfolgreiches Networking
6*** Weiterbildungsseminar zur beruflichen Fortbildung Mediation
7*** Neuerscheinung: "Potential: Konflikt" von A. Redlich und J.R. Elling
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Liebe Freunde und Kolleginnen,
ich begrüße Euch mit dem neuesten Mediations-Newsletter und wünsche Euch, nein nicht "viel Vergnügen", sondern Anregung, Erstaunen und vielleicht manchmal auch Widerspruch! Über wie auch immer geartetes Feedback freue ich mich.
Dieser Newsletter steht ein Stück weit unter dem Motto "Täter und Opfer". Der Anlaß dafür ist, dass ich vom Servicebüro für TOA (Täter-Opfer-Ausgleich) zum diesjährigen Forum "Grenzen verschieben" als Referent eingeladen worden bin, um dort eine Live-Mediation zu geben. Wer sich für das Forum interessiert, kann sich unter www.toa-servicebuero.de informieren.
Diese Einladung und einige mir im Laufe der letzten Wochen zugefallenen Bücher und Informationen haben mich veranlaßt, mir ein paar Gedanken zum Thema "Opfer" und "Täter" zu machen.
Los geht`s ...
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1*** Wie zähme ich einen Elefanten?
In der Mediation und in meinen Konfliktmanagement-Seminaren stelle ich fest, dass es viele Menschen gibt, die sich quasi hauptberuflich als "Opfer" betrachten.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: "Opfer" - in meiner Definition - sind wir alle hin und wieder. Ein "Opfer" zu sein bedeutet für mich, dass ich es ablehne, die volle Verantwortung für meine Gefühle, Bedürfnisse, Gedanken, Werte und Handlungen zu übernehmen.
Ein Beispiel: Neulich hatte ich ein Seminar für Konfliktmanagement für Verwaltungsangestellte. Ich arbeitete gerade an einem Konflikt mit einem Teilnehmer und sagte zu Ihm: "Ich denke, dass Du allein verantwortlich dafür bist, wie Du Dich in einer hierarchischen Organisation verhältst."
Daraufhin bekam ich von einer anderen Teilnehmerin den Satz zu hören "Das ist ja wohl so was von blauäugig!". (Mal abgesehen davon, dass ich braune Augen habe...)
Sie bezog sich darauf, dass sie von mir gehört hatte: "Ich denke, dass Du die Verantwortung dafür trägst, ob Du in einem hierarchischen System arbeitest oder nicht". (Das hatte ich zwar nicht gesagt - was jetzt keine Rolle spielt, aber ein weiteres Beispiel dafür ist, wie unterschiedlich eine Nachricht gehört werden kann.)
Diesen kleinen Konflikt hatten wir im Seminar schnell gelöst - aber er hat mich nachdenklich gemacht.
Die Teilnehmerin sagte nämlich in der Diskussion mit mir, dass sie nicht bereit sei, die Verantwortung dafür zu übernehmen, wo sie arbeite. Sie müsse schließlich arbeiten, brauche das Geld etc. pp.
Das entspricht meiner Definition von "Opfer", also einer Person, die es ablehnt, die Verantwortung für ihre Handlung zu übernehmen. Und wie gesagt: Es ist überhaupt nichts "falsch" daran, ein Opfer sein zu wollen. Ich selbst mache das wahrscheinlich zweimal die Woche! Es erschwert jedoch die Kommunikation zwischen den Menschen ungemein und ist, davon bin ich überzeugt, der Anlaß vieler Konflikte.
Wie werden nun Menschen zu "Opfern"? Ein Weg ist sicher die Erziehung durch Eltern und Kindergarten / Schule. Wenn ich einem Kind lange genug erzähle und ihm/ihr vorlebe: Nimm dich nicht so wichtig! Was Du möchtest, interessiert hier keinen! Du bist klein und schwach! etc. - dann wird das Kind diese Sätze irgendwann aus Selbstschutz glauben. Und schon gibt es ein "Opfer" mehr auf der Welt.
Warum glauben wir aber auch als Erwachsene noch, dass wir "Opfer" sind?
Als Antwort eine Gegenfrage: Wißt Ihr, wie man Elefanten zähmt?
Wenn die Elefanten noch klein sind, bindet man sie mit einer dicken Kette an einen Pfahl. Die kleine Elefanten werden wütend, sie reißen an der Kette, wollen sich befreien. Irgendwann werden sie müde und frustriert und geben auf!
Später reicht dann eine ganz normale, dünne Schnur, um einen erwachsenen Elefanten daran zu hindern wegzulaufen. Er glaubt ganz einfach nicht mehr daran, dass er stark genug wäre, seine Fesseln zu zerreißen!
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2*** Buch "Mut zur Angst", von Gavin de Becker
Gavin de Becker war Sicherheitsspezialist unter Ronald Reagan und ist heute Leiter eines Sicherheitsservices in den USA, der Menschen und Organisationen zum Thema Gewaltvorsorge berät.
Nach dieser Beschreibung wäre de Becker kein Autor, von dem ich unbedingt ein Buch lesen wollte. Vorurteile sind halt Vor-Urteile ;-)
Sein Buch "Mut zur Angst" fand ich jedoch sehr erhellend, spannend bis erschreckend und (größtenteils) sehr lesenswert.
De Becker vertritt die These, dass sich sehr viele Verbrechen hätten verhindern lassen, wenn die Opfer auf ihre Intuition gehört hätten, die sie eindeutig vor einer gefährlichen Situation gewarnt hat.
De Becker hat Tausende von Gewaltopfern (Überfälle, Vergewaltigungen, Entführungen etc.) interviewt und fast immer (!) kam das Opfer zu der Erkenntnis: "Eigentlich habe ich vorher schon gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt." Wenn er oder sie dann dieser Intuition vertraut hätte, wäre sie nicht Opfer eines Verbrechens geworden!
De Becker behauptet weiter, und er beweist das durch seine erfolgreiche Arbeit, dass fast alle Verbrechen sehr genau vorherzusehen sind. Darüber hinaus zerstört de Becker noch ein paar andere bequeme und gern geglaubte Vor-Urteile über Verbrecher und Verbrechensverhütung. Z.B. die, dass es Verbrechen gibt, die "aus heiterem Himmel" geschehen, ohne jede Vorwarnung. De Becker zeigt an verschiedenen Fällen, dass diese Meinung schlicht und einfach "Quark" ist!
Spannende Thesen, oder? Ich empfehle - lesen und selbst entscheiden!
Und wer sich mal im Internet über De Beckers Firma informieren möchte, hier ist seine Adresse: www.gdbinc.com
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4*** Die "Mobbingwerkstatt" von Gaby Ziegler
Das Thema "Mobbing" ist in den letzten Jahren (zu Recht) mehr in den Blickpunkt gerückt. Das erschreckende Beispiel der jungen bayrischen Polizistin, die nach andauerndem Mobbing durch ihre "Kollegen" Selbstmord beging, ist Euch vielleicht noch in Erinnerung.
Wie es der "Zufall" will, paßt auch dieser Bereich gut zum Thema "Opfer" und "Täter". Beim Mobbing sind (scheinen ?) die Rollen klar verteilt zu sein, und es fällt leicht, die Täter moralisch (und schließlich auch juristisch) zu verurteilen. Aber auch hier möchte ich zu denken geben: Das Täter/Opfer-Denken führt immer in die Falle und nie zu einer Lösung oder gar Heilung von Konflikten!
Ich habe im Internet Informationen zum Thema gesucht und eine hervorragende Adresse dazu gefunden:
Gaby Ziegler hat eine beeindruckende Menge von Infotexten und Beratungsmaterial zum Thema "Mobbing" auf Ihrer Homepage Mobbingwerkstatt gesammelt.
Was wäre das für ein Segen, wenn alle Websites so informativ wären ;-)
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5*** Tips für erfolgreiches Networking für BeraterInnen
Alle Welt beschrei(b)t es und selbst die neueste Ausgabe der managerSeminare liefert dem Thema Networking einen ganzen Artikel.
Networking, soll heißen mehr oder weniger enge Zusammenarbeit mit anderen Menschen zum gemeinsamen Nutzen, wird als ein wichtiger Faktor für den Erfolg selbständiger Beraterinnen und Trainer betrachtet.
Also wißt Ihr jetzt, dass Networking wichtig für Euren Erfolg ist - aber wißt Ihr auch, was Ihr jetzt tun sollt? Wahrscheinlich nicht, und deswegen hier zwei Tips, die mir weitergeholfen haben.
1. Erfolgreiches Networking heißt vor allem: Erst geben und dann (vielleicht) nehmen.
Wenn Ihr, wie mir ein Mediator-in-Spe mal geschrieben hat, Eure Kontakte danach aussucht, was sie Euch nutzen werden - dann laßt es lieber bleiben. So macht Networking erstens null Spaß (weder Euch noch den anderen) und zweitens ist es garantiert erfolglos (das Universum ist da "gnadenlos gerecht"). Also: Networking ist dann effektiv, wenn es Euch Spaß macht, anderen Menschen von Eurer (natürlich hilfreichen) Arbeit zu erzählen. Dafür müßt Ihr natürlich selbst absolut begeistert von Euch und Eurer Arbeit sein - und glaubt bloß nicht, dass das der Normalfall ist!
2. Es gibt Networking ante Web und Networking post Web ;-)
Networking ante Web ist das, was Ihr hoffentlich sowieso schon mehr oder
weniger ausgeprägt betreibt bzw. betreiben solltet. Also: Ihr geht allen möglichen und unmöglichen Menschen in Eurer Umgebung mit Eurer Vision (die habt Ihr doch, oder?) auf den Nerv. Ihr erzählt davon, wie toll das ist was ihr macht, warum gerade Ihr das macht und so weiter. (Das ist nicht (!) ironisch gemeint. Wenn Ihr den Leuten nicht erzählt, was Ihr macht, wer soll es denn dann tun?)
Zum Networking wird das Ganze, wenn Ihr Eurem Gesprächspartner einen zusätzlichen Nutzen liefern könnt und sich daraus ein mehr oder weniger enge Zusammenarbeit ergibt. Falls Ihr Mediation anbietet und im Bereich der Unternehmensberatung / Wirtschaftsmediation tätig werden wollt, dann empfehle ich Euch, den Kontakt zu etablierten Beratern / Trainern zu suchen. Vorher müßt Ihr Euch natürlich klar darüber sein, was Ihr anbieten könnt (s.oben).
Nun aber zum Networking post Web.
Mit der Einführung des Internet haben sich die Möglichkeiten für ein erfolgreiches Networking potenziert! Natürlich könnt Ihr im Web (noch) kein gemütliches Bierchen mit interessanten Menschen trinken. Aber Ihr könnt etwas wesentlich Effektiveres tun: Ihr könnt zeigen, dass Ihr nicht nur heiße Luft auf Eurer Homepage verpusten, sondern praktischen Nutzen liefern könnt! Im Internet gibt es viele Möglichkeiten, sich an Diskussionen zu beteiligen, Beiträge und Buchrezensionen zu schreiben, schlaue Fragen und noch schlauere Antworten zu liefern ...
Hier ein paar Beispiele:
Beim Infodienst ManagementWissenOnline (MWO) könnt Ihr Euch an aktuellen Diskussionen zu Management-Themen beteiligen, im Newsletter Fragen stellen und beantworten, Seminartips und Buchbesprechungen schreiben etc.
Die Zeitschrift Organisator hat neben einer reich gefüllten "Schatzkiste" ein interessantes Gästeforum. Auf interessante Einträge folgen interessante Feddbacks!
Das gilt übrigens generell: Tragt euch mit einem hilfreichen Eintrag in Gästebücher ein, am besten gleich mit Homepageadresse und E-Mail.
Mediatorinnen und alle "Konflikt-Begeisterten" können sich auf unserer Homepage am Mediations-Forum beteiligen. Hier könnt Ihr Fragen stellen, diskutieren und auf Euch aufmerksam machen. Und über einen Eintrag in unsere Homepage freue ich mich natürlich besonders :-))
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6*** Studienprogramm zur Beruflichen Fortbildung Mediation
Ab September 2000 bieten wir in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen (Soziologisches Seminar und Zentralstelle für Weiterbildung) sowie der Heimvolkshochschule Mariaspring ein
Studienprogramm zur Beruflichen Fortbildung Mediation an.
Die Fortbildung ist offen für alle Berufsgruppen und erfordert keine Vorkenntnisse.
Ausbildungsumfang 200 Stunden. Kosten 3900,- DM (zuzügl. U/V).
Die Fortbildung orientiert sich den Ausbildungsstandards des Bundesverband Mediations e.v. und wird mit einem Zertifikat der Universität ("Mediator/in") abgeschlossen.
Näherer Informationen dazu findet Ihr hier. Ausführliche Seminarunterlagen können von unserer Homepage angefordert werden.
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7*** Neuerscheinung: "Potential: Konflikt" von Dr. A. Redlich und J.R. Elling, Windmühle-Verlag 54,-DM.
Das Buch ist ein Seminarkonzept zur Konflikt-Moderation bzw. -Mediation für Trainer und Lehrgruppen. Redlich und Elling arbeiten beide neben Ihrer Tätigkeit an der Universität Hamburg (Psychologie) als Moderatoren und Trainer. Sie fassen mit Ihrem Buch Ihre Erfahrungen mit Konflikt-Workshops zusammen und geben wertvolle Hinweise sowie zehn Fallbeispiele für Rollenspiele.
Wenn alle Professoren so anschaulich schreiben würden, wäre ich schon froh ;-)
Inhaltlich habe ich an der Art und Weise, wie mit den Emotionen der Konfliktbeteiligten gearbeitet wird, einige kritische Anmerkungen ( was meistens bedeutet: die Gefühle werden, wenn sie denn richtig "heiß" sind, abgewiegelt, "versachlicht" etc.). Trotzdem finde ich das Buch für Trainerinnen, die Vorlagen für Rollenspiele suchen, sehr gelungen. Aber Achtung! Dies ist kein Buch für "Anfänger" in der Konfliktarbeit, sondern erfordert Erfahrung in der Gruppenarbeit, eine Ausbildung in Mediation, Konflikt-Moderation o.ä. und Selbsterfahrung in Bezug auf das eigenen Konfliktverhalten.
© 2003 Institut Sikor
Letztes Update:
12.06.07
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