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***** Der Mediations-Newsletter Nr. 10 ****
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Dies sind Gratis-Informationen des Göttinger Instituts für Mediation. Die Inhalte unterliegen, soweit nicht anders angegeben, dem Copyright des Autors Markus Sikor. Eine Weitergabe zu nicht kommerziellen Zwecken sehe ich gerne, andere Nutzungen bitte ich mit mir abzusprechen.
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Dieser Newsletter geht an 380 Leserinnen und Leser.
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Inhalt Mediation-Newsletter Nr. 10
1 *** Das Bingo! Prinzip - Konfliktlösung in 10 Sekunden
2 *** Termine unserer Mediationsausbildungen 2001
3 *** Website zu erfolgreicher Lebens- und Unternehmenspraxis
4 *** Mediation in der Wissenschaft an der Uni Münster
5 *** Buchbesprechung, die Erste: "Mediation: Konfliktmanagement für moderne Unternehmen"
6 *** Buchbesprechung, die Zweite: "Mediation - die neue Streitkultur"
7 *** Intuition in der praktischen Mediationsarbeit
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Liebe Freunde und Kolleginnen,
Hiermit möchte ich alle alten und neuen Leserinnen und Leser herzlich begrüßen zu diesem Mediaton-Newsletter, einem Neuen Jahr, neuen Möglichkeiten und Chancen für die Mediation ...
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und freue mich, wie immer, auf Feedback und Anregungen.
Markus Sikor :o)
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1 *** Das Bingo! Prinzip - Konfliktlösung in 10 Sekunden
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Das Bingo! Prinzip - so bezeichnet der Familientherapeut Gay Hendricks die empirische Erkenntnis, dass in schwierigen Gesprächen die entscheidenden Schritte zur Lösung innerhalb weniger Sekunden ablaufen. Anhand tausender Videoaufzeichnungen analysierte er Vermittlungsgespräche zwischen Paaren, Familien und in Arbeitsteams. Dabei hat sich immer herausgestellt, dass die "lösenden Worte" meist eine bestimmte Struktur und einen verblüffend ähnlichen Verlauf hatten, und "innerhalb eines Atemzugs ausgesprochen wurden". Und tatsächlich, das ist auch meine Erfahrung, dauert die eigentliche Konfliktlösung, also die Verständigung zwischen den Klienten, wenn man denn mal "am Thema" ist, meist nur wenige Augenblicke. Manchmal geht es so schnell, dass die Klienten es selbst nicht wahrhaben können - wieder so ein Fall, wo der Verstand dem Gefühl hinterherhinkt.
In "Das Bingo! Prinzip" beschreibt der Autor diese Schritte anschaulich und anhand vieler Praxisfälle. Ein hilfreiches Buch für Mediatoren!
Gay Hendricks, "Das Bingo! Prinzip", Mosaik Verlag (Goldmann), 2000, 14,90 DM.
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2 *** Termine unserer Mediationsausbildungen 2001
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Die neuen Termine unserer Mediationsausbildungen 2001 stehen fest. Wie auch im letzten Jahr bieten wir wieder zwei Ausbildungen an.
Die Intensiv-Ausbildung Mediation 2001 für Führungskräfte, Trainer- und BeraterInnen mit Schwerpunkt Team- und Wirtschaftsmediation. Inklusive "Supervision-on-the-Job". 130 Zeitstunden. Beginn September 2001. Diese Ausbildung erfordert Vorkenntnisse.
Das Studienprogramm zur Beruflichen Fortbildung Mediation an der Universität Göttingen. Offen für alle Berufsgruppen. Es werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt. 200 Zeitstunden. Beginn Mai 2001.
Beide Ausbildungen orientieren sich an den Ausbildungsstandards des Bundesverbands Mediation e.V. und werden mit einer Abschlußarbeit und einem Zertifikat abgeschlossen.
Interesse? Hier gibt es mehr Informationen: http://www.institut-sikor.de/seminare.htm.
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3 *** Website zu erfolgreicher Lebens- und Unternehmenspraxis
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Unter http://www.praxilogie.de hat der Otto Buchegger eine Menge von recht praktischen und lebensnahen Tips und Hinweisen für das Lebens- und Unternehmensmanagement versammelt. Bis man die Homepage durchforstet hat, dürften ein paar Tage vergehen. Wenn mir manche Artikel auch ein bisserl "weise" klingen, so finden sich doch wirklich hilfreiche Texte auch für Unternehmensgründer, Selbständige und Freiberufler. Z.B. zu den Themen Selbst- und Zeitmanagement, Motivation, Unternehmensplanung, Lebensentwurf etc. pp. Ein und auch mehrere Besuche lohnen sich bestimmt.
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4 *** Mediation in der Wissenschaft an der Uni Münster
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Rechtswissenschaftler der Universität Münster untersuchen die Möglichkeiten und das Verfahren der Mediation. Wer sich für die wissenschaftliche Untermauerung des Mediationsverfahrens interessiert, kann sich auf der Website des Centrums für Verhandlungen und Mediation von Prof. Dr. Horst Eidenmüller informieren.
Zu finden unter: http://www.uni-muenster.de/Jura.iwr/cvm/index1.ht
Quelle: Homepage der Centrale für Mediation
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5 *** Buchbesprechung, die Erste: "Mediation: Konfliktmanagement für moderne Unternehmen"
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Es gibt Bücher, über die ich mich fast geärgert hatte, nachdem ich sie gekauft habe ;o) Ich weiß, das liegt allein an mir und nicht an irgendwelchen Büchern. In diesem Fall liegt das daran, dass ich mit Erwartungen an dieses Buch herangegangen bin, die es mir leider nicht erfüllt hat. Erwartet hatte ich ein informatives, spannendes und didaktisch gut gestaltetes Buch über Wirtschaftsmediation. Gut aufgemacht ist dieses Buch auf jeden Fall, dafür sorgt der Beltz-Verlag ja meistens. Der Informationsgehalt mag für mediativ Unbeleckte angehen, ich habe wenig Neues für mich entdeckt.
Spannend jedoch finde ich was anderes - und in dieser Hinsicht bin ich wirklich leicht zufrieden zustellen, schließlich habe ich nicht mal einen Fernseher!
Aber jetzt mal sachlich. Hier das Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Mediation? (Hab ich das nicht schon irgendwo gelesen?)
2. Konflikte und Konfliktlösungsmöglichkeiten (Ah ja...)
3. Mediation im Unternehmen (das könnte spannend werden - war`s aber nicht!)
4. Mediation und verwandte Verfahren (bin ich hier an der Uni?)
5. Varianten und ergänzende Verfahren zur Mediation ( ... gähn...)
6. Methoden und Strategien des Mediators (Das Übliche... no comment)
7. Die Mediation im modernen Unternehmen (das war spannend, aber halt zu spät...)
8. Konfliktlösungssysteme - Element einer neuen Unternehmenskultur: Ein Ausblick (s. 1 - 6)
Ich geb`s zu, ich ärgere mich immer noch ein bißchen über mich (dass ich das Buch gekauft habe).
Empfehlen kann ich es all denjenigen, die a) nicht wissen, das es in Unternehmen Konflikte gibt und/oder b) die nicht wissen, was Mediation ist und/oder c) ... fällt mir vielleicht später ein.
Wie gesagt, ich hatte die "falschen" Erwartungen an das Buch. Wer es liest und eine begeisternde Kritik schreiben möchte - ich drucke sie gerne im Mediation-Newsletter!
Mediation - Konfliktmanagement für moderne Unternehmen. G. Altmann, H. Fiebiger, R. Müller, Beltz Verlag, 1999, 68,- DM
(PS: Für 68,- DM kann man auch lecker Essen gehen ;o)
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6 *** Buchbesprechung, die Zweite: "Mediation - die neue Streitkultur"
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Das Buch von Peter Geißler und Klaus Rückert (Hg.) fand ich eine inspirierende und schön zu lesende Sammlung von Aufsätzen und Diskussionen zum Thema Mediation in den verschiedenen Anwendungsbereichen.
Keine "Ich-mache-auch-Mediation!"-Artikel sondern bspw. einen Erfahrungsbericht von der Wiener Konferenz für Mediation (von Benedikta Gräfin v. Soden - die (sehr engagierte) Vorsitzende des Bundesverband Mediation), einen Artikel von Peter Geißler zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Mediation und Psychotherapie, über die Anwendung der Umweltmediation, die Möglichkeiten und Erfahrungen mit Wirtschafts-, Gemeinwesenmediation und Schulmediation ... und ... und ... und.
Solche Bücher gibt`s als zum Glück auch noch, sonst hätte ich mich schon wieder über mich geärgert :o)
Mediation - die neue Streitkultur. Kooperatives Konfliktmanagement in der Praxis. Peter Geißler und Klaus Rückert (Hg.). Psychosozial-Verlag, 2000, 49,90 DM.
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7 *** Intuition in der praktischen Mediationsarbeit
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In der Mediation werden wir von den Klienten mit einer riesigen Menge von verbalen, nonverbalen und energetischen Signalen überhäuft. Kommunikationswissenschaflter schätzen, dass wir in einem Gespräch ca. 10.000 (zehntausend) Signale pro Sekunde (!) von unserem Gesprächspartner empfangen. Der geringste Teil davon ist uns bewußt, die große Masse der Signale wird unbewußt verarbeitet.
Wer diese Tatsachen verdaut hat, wird sich nicht wundern, dass erfolgreiche Mediation sehr viel mit intuitivem, spontanem Verhalten und Reaktionen "aus dem Bauch heraus" zu tun hat. So filtern wir in der Mediation aus dem Gesagten das heraus, was uns für den Klienten "wesentlich" erscheint, was er/sie uns "eigentlich" sagen möchte. Denn darin steckt oft das Potential, den Konflikt zu lösen. Diese Elemente lassen Klienten im Gespräch oft durch "Satelliten" erkennen (diesen Ausdruck habe ich von Gavin de Becker übernommen). Satelliten sind Worte, Satzteile oder nonverbale Signale, die vom Klienten nicht bewußt erwähnt werden, aber "raus wollen". Oft haben Diese Satelliten sind im Konflikt immer sehr emotional besetzt.
Ein Beispiel:
Die Klienten (ein Paar in Scheidung) erzählen mir wortreich wie sie sich am Telefon über die Kinderbetreuung gestritten haben. Zwischendurch kommen ein paar wenige Sätze, die andeuten, dass (beide) sich über den/die neue/n Partner/in des anderen ärgern, im Sinne von "Du hast ja auch eine/n Neue/n" - was mit dem Thema Kinderbetreuung offensichtlich wenig zu tun hatte. Ich ging in meiner Einfühlung auf diesen Aspekt ein und die Klientin erzählt mir spontan, dass ihr "Ex" bestimmt noch Kinder mit der "Neuen" will. Der Klient antwortet ihr ruhig, dass das für ihn eigentlich nicht anstehe, er verstehe sich gut mit der Frau, über Kinder haben sie noch nicht geredet, aber "... gut, wenn es passiert, passiert es halt".
Diesen letzten Halbsatz des Klienten fand ich "irgendwie" interessant und sagte daraufhin: "Verstehe ich sie richtig, dass sie zwar nicht unbedingt weitere Kinder wollen, aber wenn Ihre Freundin schwanger wird, würden Sie sie nicht dazu überreden, das Kind abzutreiben."
Klient: "Genau."
In diesem Moment bricht es aus der Klientin "Aber mich hast Du damals gezwungen!".
Damit waren wir beim "eigentlichen" Thema des Paares. Das Paar hatte sich während der Ehe entschieden, das dritte (ungewollte) Kind abtreiben zu lassen, weil sie sich beide damals total überfordert fühlten. Das war eine sehr schwere Zeit für beide, und sie machten sich immer noch (gegenseitig) dafür verantwortlich. Nachdem die gegenseitigen Vorwürfe und unerfüllten Bedürfnisse ausgesprochen und erfüllt wurden, herrschte eine erschöpfte, aber angenehme Ruhe. Beide betonten, dass es für sie sehr wichtig war, dieses Thema geklärt zu haben. Die Klienten haben den Rest ihrer Trennungsfragen sehr schnell und überwiegend selbständig geklärt.
Die spannende Frage ist natürlich, warum ich in der Mediation gerade auf dieses Thema eingestiegen bin. Ich bin überzeugt, dass wir immer "aus einem Gefühl heraus" entscheiden, auf welche Aspekte wir eingehen (weil sie sich "gut" oder "interessant" anfühlen) oder auf welche nicht (weil sie sich "neutral" anfühlen oder weil wir selbst Angst davor haben).
Ich denke, intuitives Verhalten in der Mediation kann nicht im klassischen Sinne "gelehrt" werden, aber man kann es lernen. Der entscheidende Punkt ist wahrscheinlich das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und eine Offenheit bzw. Neugier, sich mit seiner eigenen Intuition zu beschäftigen.
Wer sich mit diesem Thema beschäftigen möchte, dazu gibt es mittlerweile auch umfangreiche Literatur.
Frau Diana Hättig, Beraterin und Mediatorin aus Heidelberg, hat mich auf einen Artikel in dem Magazin "Geo" hingewiesen (Ausgabe Nr. 11/2000), der sich mit der Intuition ("Das Bauch-Gehirn") beschäftigt (Danke, Diana!).
Interessant sind die Bücher von Frau Laura Day, einer "professionellen Intuitiven", die Seminare und Beratungen zu diesem Thema gibt: Laura Day, "Praktische Intuition" (es gibt noch je eine Ausgabe für den Bereich Partnerschaft und für berufliche Fragen), alle dtv-Verlag.
Wer es lieber "wissenschaftlich" jedoch trotzdem recht spannend mag, findet dies in Frau Angelika Faas` Buch "Intuition - zum rechten Zeitpunkt das Richtige tun", Herder Spektrum.
Bereits im Newsletter Nr. 3 wärmstens empfohlen: Gavin de Becker, "Mut zur Angst - Wie Intuition uns vor Gewalt schützt", Krüger Verlag. Dieses Buch möchte ich vor allem Frauen empfehlen. Nicht weil Frauen weniger intuitiv wären, sondern weil sie statistisch gesehen leider wesentlich öfter "Opfer" von Gewalttaten sind - wovor sie besser geschützt wären, wenn sie ihrer Intuition vorher (!) vertraut hätten.
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Das war ein langer Newsletter! Wer ihn bis hierher gelesen hat ... Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit!
Eine schöne Zeit bis zum nächsten Mediation-Newsletter wünscht Euch
Markus Sikor :o)
Göttinger Institut für Mediation
Dresdener Str. 12 - 37085 Göttingen
Fon und Fax: 0551-796068
Email: info@institut-sikor.de
http://www.institut-sikor.de